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Der Kampf um einen Platz im Team oder: Wie viel ist die Arbeit eines MTB-Profis wert?


Moritz Milatz bekommt keine Vertragsverlängerung bei BMC: Diese Schlagzeile ging unlängst durch die Medienwelt. Aus gegebenen Anlass stellen wir uns nun die Frage: Was ist die Arbeit als Mountainbike-Profi eigentlich wert und wie hart muss um die Plätze in einem Team gekämpft werden?

Moritz Milatz hat seine bis dato beste Saison hinter sich – Gesamtsieger BMC Racing Cup, Sieger des Bundesligarennens in Bad Salzdetfurth, Platz drei beim World Cup in Nove Mesto, Platz fünf beim World Cup in Albstadt, Platz vier bei der XCO WM in Hafjell sowie weitere Top-5-Platzierungen – das BMC Mountainbike Racing Team trennt sich dennoch von ihm. Der offizielle Grund: Budgetkürzungen. Während Julien Absalon, Lukas Flückiger, Ralph Näf, Martin Fanger und Reto Indergand also weiter für den schweizer Rennstall fahren dürfen, wurde der Deutsche vor die Tür gesetzt. Nun steht Moritz Milatz da, wo Axel Rein – ebenfalls nach seiner bis dahin besten Saison –bereits im Jahr 1998 stand, vor der Frage: Wie geht es nun weiter? Axel Rein nutzte seine „zweite Chance“ und ist heute Geschäftsführer der X4GROUP. Dass sich dieser Fall von vor 16 Jahren dabei ähnlich, ja fast identisch noch einmal wiederholt, war trotzdem ein echter Schock. Noch hat Milatz also kein anderes Team gefunden, für das er in der Saison 2015 an den Start gehen kann. So drückt der Freiburger seit dem 20. Oktober die Studienbank und muss sich intensive Gedanken über seine Zukunft machen (Stand: 23.10.2014). Dabei dreht sich im Hause Milatz auch nicht mehr alles nur um Moritz, denn der MTB-Profi ist mittlerweile Vater und hat damit eine Familie zu versorgen. Wie Studium, Familie und das Mountainbiken dabei unter einen Hut gebracht werden kann und auf welchem Niveau wir Milatz in der kommenden MTB-Saison erleben werden, bleibt dabei noch abzuwarten.

Neben den persönlichen Grenzerfahrungen ist diese Hiobsbotschaft aber auch ein einschneidendes Ereignis für den deutschen MTB-Sport, denn Milatz ist eins der wenigen Steckenpferde, die Deutschland momentan hat. Damit ist Milatz auch ein Punktesammler für das deutsche Team. Nicht genügend Punkte bedeutet im Umkehrschluss am Ende möglicherweise, dass Deutschland nicht mehr drei, sondern nur noch zwei Männer zu den Olympischen Spielen schicken kann, da die Top 5 im Nationenranking nicht erreicht werden. Das ist nicht nur frustrierend für die Fahrer, sondern auch ein herber Rückschlag für den deutschen MTB-Sport.

Was zählt heutzutage also im Mountainbike-Business und was muss ein Mountainbiker leisten, um einen sicheren Platz in einem Team zu bekommen? Die reine Leistung scheint schon länger nicht mehr der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Team und Sportler zu sein – und das gilt bei Weitem nicht nur im MTB-Sport, sondern auch in allen anderen Sportarten. So ist es für die Firma hinter dem Team vor allem wichtig, mithilfe der einzelnen Teammitglieder ein Image zu kreieren, das der Firma Umsatz erwirtschaftet. Denn sind wir mal ehrlich: Ohne Eigennutz wird den Sportlern kein Honorar gezahlt, das pro Jahr häufig auch im guten sechsstelligen Bereich angesiedelt ist. Damit erklärt sich auch, warum beispielsweise Freerider unter Vertrag genommen werden, die jedoch gar keine Rennen fahren, sondern lediglich nicht auf den Mund gefallen sind, eine große Fangemeinde aufweisen und durch Videos Aufmerksamkeit generieren – was vor allem im Internet ein wichtiger Faktor ist, denn mediale Beiträge verbreiten sich hier bei Gefallen in Windeseile. Sind Extrovertiertheit, die richtigen Kontakte und ein funktionierendes Netzwerk also der Schlüssel zum Erfolg? Wir denken: Ja.
 
Hat Milatz dies in den Augen von BMC also nicht geleistet? Hat er BMC demnach keinen Mehrwert geboten und der Marke schlicht und einfach nicht genügend Umsatz generiert? Es scheint nach außen fast so, denn auch uns ist Milatz immer eher als der Introvertierte aufgefallen, der sich zu 100 % auf seine Leistung konzentriert hat. Schlussendlich wissen wir es jedoch nicht und können über diese Fragen nur spekulieren. Einen Fahrer diese fokussierte Charaktereigenschaft jedoch möglicherweise negativ auszulegen, scheint dennoch nicht fair.

Fakt ist, dass sich nach diesen Geschehnissen sowohl die Verantwortlichen hinter der Branche Gedanken darüber machen sollten, wie es sein kann, dass Fahrer, die die besten Ergebnisse ihrer bisherigen Karriere vorweisen können, nicht länger unter Vertrag genommen werden, als auch die Sportler sich reflektieren sollten, ob sie neben der Rennstrecke mehr für ihre eigene Vermarktung tun sollten. Schlussendlich müssen beide Seiten voneinander profitieren, damit die MTB-Branche weiter bestehen und sich stetig vergrößern kann, denn am Ende scheint die Rechnung ganz einfach: Je mehr Bikes (und andere Produkte) einer Firma durch das Image und das Auftreten der Sportler verkauft werden, desto mehr Geld ist am Ende des Jahres in der Kasse, das wieder an die Teammitglieder zurückgegeben werden kann.

(Foto: Michal Cerveney)

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